Dieser Tempel wurde nach dem Jahr 63 zu
Ehren des Kaisers Vespasian erbaut.
Der Tempel hat einen klaren Grundriß:
Vom Forumsplatz aus betritt man durch eine relativ kleine Tür
einen schiefwinkligen Hof, der rings von hohen Mauern aus Tuff eingeschlossen
ist. Nun steht man in einer Säulenhalle und erblickt einen Altar
und einen kleinen Tempel, der direkt an die Rückwand angebaut ist.
Der Tempel steht auf einem hohen Unterbau (Podium); auf das Podium und
in die Cella gelangt man über zwei Treppen, die jeweils von der Rückwand
aus an den Seiten emporführen. In der Cella findet sich an der
Rückwand ein Sockel für ein Kultbild. Der Tempel hatte an der
Frontseite vier Säulen, wobei der Abstand der Säulen in der Mitte
größer war als an den Seiten. Daß der Tempel so ausgesehen
hatte, belegt eine Abbildung auf dem Marmoraltar vor dem Tempel.
Dieser Marmoraltar steht in der Mitte
des Hofes; er hat einen Kern aus Mörtel und Steinen und ist
auf allen vier Seiten mit Marmorreliefs geschmückt. Das Relief an
der Vorderseite zeigt im Bildhintergrund gerade diesen Tempel, und daher
sind wir über seinen damaligen Zustand informiert. Im Vordergrund
ist eine Opferszene abgebildet: Ein Priester, erkennbar an der über
den Kopf gezogenen Toga, bringt ein Trankopfer dar. Um ihn stehen zwei
Liktoren, identifizierbar durch ihre Rutenbündel, und drei weitere
Opferdiener. Auf der rechten Seite führt der victimarius ("Opferdiener",
und zwar der popa, der "Opferschläger", erkennbar an seinem Hammer,
mit der er das Opfertier mit einem Schlag auf die Stirn betäubt) und
sein Gehilfe einen Stier zur Opferung herbei.
Dieser Altar nun gibt die entscheidenen Indizien, für welche "Gottheit"
dieser Tempel geweiht war:
Auf der Rückseite ist ein Eichenkranz zwischen zwei Lorbeerbäumen
abgebildet- dies sind Ehrenzeichen, die exklusiv für die Kaiser reserviert
waren. Augustus, der erste römische Kaiser, hatte sie als erster auf
Münzen prägen lassen; seine Nachfolger ließen nur den Eichenkranz
abbilden, erst bei Kaiser Vespasian (Regierungszeit: 69-79 n. Chr.) zeigen
die Münzen wieder beide Ehrenzeichen, die sich auch auf dem Altar
finden.
Das zweite Indiz: Der Tempel wurde augenscheinlich nach dem Erdbeben
von 63 n. Chr. gebaut. Er war noch nicht ganz fertig, das belegen die roh
verputzten Wände des Hofes. Das Opfertier nun, das auf der Altatvorderseite
abgebildet ist, ist ein Stier, und Stiere opferte man Kaisern zu ihren
Lebzeiten (nach ihrem Tod war ein Ochse das angemessene Opfertier). Alle
diese Indizien deuten auf Vespasian.
Daß die römischen Kaiser schon zu ihren Lebzeiten als Götter
verehrt wurden, war ein wichtiges Mittel zur Herrschaftsicherung: Gegen
einen Gott putscht man nicht, verübt keine Attentate auf ihn
und bringt ihn gar um, sondern man gehorcht brav! |